Melania Mazzucco schrieb das Auswanderungsepos «Vita». Sie sagt, Italien habe seine Geschichte verdrängt
s ist eine heisse Julinacht auf dem römischen Kapitol.Vor Michelangelos Renaissance-Kulisse wird der Premio Strega verliehen, Italiens bedeutendster Literaturpreis. «Hinter den Kulissen wird mit dunklen Machenschaften und Intrigen gekämpft», sagt Melania Mazzucco, die dem Kuratorium des Preises vorsteht. Vor 23 Jahren gewann die Römerin den Preis selbst mit ihrem Auswandererepos «Vita», das in 23 Sprachen übersetzt und 650 000-mal verkauft wurde. Der Roman erzählt die Geschichte von Mazzuccos Grossvater, der 1903 als Zwölfjähriger allein aus dem armen Süden Italiens nach Amerika auswandert. Nun wird das Buch neu auf Deutsch aufgelegt – in einem Europa, in dem Migration die öffentliche Debatte beherrscht.